Pink Tax: Unsichtbare „Frauensteuer“ auf Kosmetikprodukte
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Es ist leider immer noch eine Tatsache: Frauen zahlen beim Einkaufen nicht selten mehr als Männer. So kosten bestimmte Drogerieartikel und Dienstleistungen in der „weiblichen“ Variante oft mehr als ein vergleichbares Produkt oder eine entsprechende Tätigkeit für Männer. Der Aufschlag einiger Hersteller betrug in den letzten Jahren teilweise über 100 Prozent. Hier erfährst du, wie du dich vor dieser „Frauensteuer“, der so genannten Pink Tax, schützen und den Kauf unnötig teurer Kosmetikprodukte vermeiden kannst.
Ob Rasierer, Körperpflegeprodukte oder Parfüm: Produkte, die speziell für Frauen vermarktet werden, kosten oft deutlich mehr als vergleichbare Varianten für Männer. Auch für Dienstleistungen in Friseursalons und Reinigungen zahlen Frauen meist höhere Preise. Die Preisdiskriminierung von Frauen macht selbst vor Medikamenten nicht halt, wie die Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH) herausfand. So kostete ein Schmerzmittel gegen Menstruationsbeschwerden in rosa Verpackung rund 17 Prozent mehr als die herkömmlichen Schmerztabletten in grüner Verpackung. Dabei waren Inhaltsstoffe und Dosierung identisch. Nach heftiger Kritik hat der Hersteller nun die Preise angepasst.
Hersteller nutzen weibliches Kaufverhalten gezielt aus
Bereits bei der Produktentwicklung greifen Hersteller auf geschlechtsspezifische Unterschiede ihrer potenziellen Käuferinnen und Käufer auf, um ihre Produkte gezielt an Frauen oder Männer zu vermarkten. Studien zeigen, dass Frauen bereit sind, mehr Geld für Kosmetik- und Pflegeprodukte auszugeben als Männer – ein Verhalten, das viele Hersteller gezielt ausnutzen. Vor allem Rasierprodukte und Parfüms sind für Frauen oft deutlich teurer.
Diese Preisdiskriminierung trifft Frauen doppelt: Zum einen zahlen sie mehr, zum anderen verdienen Frauen laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im Durchschnitt weniger als Männer. Auch wenn es sich bei den höheren Preisen für Damenkosmetik manchmal „nur“ um Centbeträge handelt, summieren sich diese Kosten und tragen zur finanziellen Benachteiligung von Frauen bei.
Fast identische Inhaltsstoffe, aber unterschiedliche Preise
Bereits 2019 hat die Verbraucherzentrale Hamburg die Praktiken des „Gender Pricing“ anhand einer fiktiven Pflegeserie aufgedeckt. Eine aktuelle Stichprobe im Februar 2024 zeigt, dass die Preisunterschiede bei Einwegrasierern und Rasiergel erfreulicherweise zurückgegangen sind. Bei Rasierschaum sind die Unterschiede jedoch nach wie vor beträchtlich. Hier wird das Produkt für Männer in der Regel in einer größeren Dose (300 Milliliter) deutlich günstiger angeboten als das Produkt für Frauen (150 Milliliter). Der Preisaufschlag kann hier, wie auch bei den Parfüms, mehr als 50 Prozent betragen.
Der Marktcheck ergab zudem, dass sich die Produkte in ihrer Zusammensetzung und ihren Inhaltsstoffen kaum oder gar nicht unterscheiden. Stattdessen setzen die Hersteller auf ein zielgruppengerechtes Design: Produkte für Männer kommen häufig in gedecktem Blau, Schwarz oder Grün daher, während Frauen mit knalligem Pink und floralen Motiven zum Kauf animiert werden sollen. Selbst wenn es Unterschiede bei den Inhaltsstoffen gibt, rechtfertigen diese in den meisten Fällen nicht die höheren Preise, da sie oft gering sind und nur einen kleinen Teil der Herstellungskosten ausmachen.
Rasierschaum: 5,93 EUR/Liter (Damen) vs. 3,38 EUR/Liter (Herren)
Parfüm: 298,33 EUR/Liter (Damen) vs. 231,67 EUR/Liter (Herren)
So vermeidest du die Pink Tax
Auch wenn die Pink Tax in einigen Bereichen zurückgegangen ist, gibt es sie immer noch. Deshalb ist es wichtig, beim Einkaufen aufmerksam zu sein und vielleicht auch mal den ersten Impuls zu hinterfragen. Denn leider stehen Männer- und Frauenprodukte oft in unterschiedlichen Regalen, so dass die Preisunterschiede auf den ersten Blick gar nicht auffallen. Um die Pink Tax zu umgehen, lohnt es sich, bewusst Preise zu vergleichen und lieber zu geschlechtsneutralen Alternativen oder auch mal zu „Männerprodukten“ zu greifen. Achte vor allem auf die Inhaltsstoffe und lass dich nicht von hübschen Verpackungen täuschen – auch sie landen irgendwann im Müll.
Quellen
- Verbraucherzentrale Hamburg (VZHH): Pink Tax – Frauen zahlen mehr
- Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Lohngerechtigkeit